Auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein sprach nomad mit Eckart Maise, Chief Design Officer, sowie Raphael Gielgen, Head Research & Trend Scouting von Vitra, über die fundamentalen Veränderungen unserer Büro- und Arbeitswelt und mit welcher Haltung Vitra diesem grundlegenden Wandel begegnet.

Es ist kein Zufall, dass die AMC-Erfolgsserie Mad Men zwischen Kugelkopfschreibmaschinen, Blaupapier, Fernschreibern und Bergen von Papier spielte. Die gute alte Arbeitswelt ist inzwischen so entrückt, dass sie schon wieder als Hintergrund einer nostalgischen Unterhaltungsserie taugt. Damals war der Schreibtisch noch ein Statussymbol mit Fächern und Schüben, Klappen und Einteilungen. Ein Abgrenzungsmittel zwischen Chef und Mannschaft. Heute ist er ein Portal in die Netzwelt. Konstantin Grcic hat daraus einen robusten Werkzeugkoffer geschaffen, der sich eben mal entfaltet und sofort wieder wegpacken lässt. Hack ist eine irritierende Collage aus Sperrholz und Mechanik. Das Möbel sollte „etwas Unfertiges“ haben, sagt Grcic über das Modell, das wie der Pacific Chair der britischen Designer Barber & Osgerby den neuen Geist von Vitra verkörpert: nicht mehr alles zu wissen und flächendeckend Büros zu vermöbeln, sondern Fragen zu stellen und offen zu sein für Antworten der vielen Nutzer mit ihren ganz unterschiedlichen Anforderungen.

The
nomad

More InfoApp Store

IPAD EDITION

Wir sind in Weil am Rhein, auf jenem Campus, der Vitra zum Wallfahrtsort für Architektur-Aficionados gemacht hat, in einer riesigen Halle mit Produkten. Weil das Entwicklungsstudio tabu ist, sitzen auf dem Alcove Sofa Eckart Maise, Chief Design Officer von Vitra, und Raphael Gielgen, Head Research & Trend Scouting. Sie sind so etwas wie natürliche Gegenpole der Firma. Der korrekt gekleidete Maise formuliert präzise, als gelte es, Teile eines Algorithmus aneinanderzureihen: Gielgen hingegen schießt Bilder durch den Raum wie Konfetti. Er dient als Antenne des Unternehmens nach draußen. Allein letztes Jahr hat der agile Rheinländer 20 Länder bereist und zahllose Interviews geführt auf der Suche nach den Bewegern unserer Zeit.

Trotzdem sind sich Maise und Gielgen einig. Sie nennen es Hybridisierung: Arbeits- und Lebenswelten verschmelzen, es entstehen Mischformen, bei denen man nicht mehr sofort weiß: „Ist es nun ein Büro, ein Hotel, ein öffentlicher Raum oder fast schon eine Wohnung?“, grinst Gielgen. Diese Zwischenwelten verlangen mehr Aufwand: mehr Forschung, mehr Vision, mehr Wagnis. Es geht um nichts weniger als eine neue Philosophie der Arbeit. Die Möblierung folgt dem Menschen, nicht umgekehrt. Und alles ist im Fluss. „Vor 20 Jahren wäre es unvorstellbar gewesen, ein Sofa zum Arbeitsort zu erklären“, sagt der studierte Betriebswirt Maise. „Das ist heute kein Thema mehr.“ Dann fügt er hinzu: „Selbstverständlich arbeitet man da und macht kein Nickerchen.“ Nein, Maise hält keinen Mittagsschlaf. Das habe sich „im Büro noch nicht durchgesetzt“ und sei eines jener Dinge, an denen sie „immer wieder knabbern und Konzepte und Angebote machen“.

Read
Read
Read
Read