Die Zukunft der Arbeit ist schon da. Sie verändert nicht nur unser Arbeitsleben, sie bemächtigt sich zunehmend auch unseres Privatlebens. Dies hat aber nicht nur Nachteile.

Die Ambivalenz zwischen Arbeitseinsatz und Arbeitsverdichtung, zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung sowie zwischen territorialem Arbeitsplatz und digitalem Nomadentum markiert die Koordinaten dieser Entwicklung, die sich nicht mehr nur auf Start-ups und Kreativschmieden beschränkt, sondern bereits die großen Wirtschaftsunternehmen erreicht.

Zum Stand der Dinge.

Weshalb sieht der durchschnittliche Joballtag so trist aus? Warum gehen wir immer noch jeden Tag ins Büro? Verschwenden acht, neun oder mehr Stunden unserer Lebenszeit mit Monotonie, Missmanagement und zickigen Kollegen in deprimierenden Räumen? Wir sitzen alle zu viel am Schreibtisch. Der Job frisst unsere Freizeit auf, obwohl wir wissen, dass uns die besten Ideen meist nicht bei der Arbeit kommen. Zwischen Meetings, Deadlines und purem Abwarten, bis der Chef Feierabend macht, haben viele Menschen das Gefühl, sie hätten in vier oder fünf Stunden effizienter, selbstbestimmter Zeit genauso viel leisten können. Und sie haben recht. Selbstständige arbeiten meist viel wirtschaftlicher, haben in der Regel mehr Freiheit und mehr Spaß, oft auch mehr Geld. Bloß keine klassische Karriere. Diese lässt sich meist nur innerhalb von Unternehmen umsetzen, doch wählt man diesen Weg, ist man sofort wieder in allen oben beschriebenen Ärgernissen des Büroalltags gefangen. Gespräche mit erfolgreichen, aber notorisch unzufriedenen Freunden und Bekannten bestätigen den Befund. Es muss einen Mittelweg zwischen beiden Extremen geben.

The
nomad

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Um die Jahrtausendwende, zu Zeiten der New Economy und der mit dem Internet verbundenen technischen Innovationen, war uns schon einmal eine neue Art des Arbeitens versprochen worden. Jeder einzelne von uns modernen Berufstätigen sollte von nun an eine selbstgenügsame Produktionseinheit darstellen. Wir würden künftig als Wissensarbeiter mobil und vernetzt sein. Wir würden unser Büro per Laptop und Handy mit uns herumtragen. Wir würden uns als digitale Nomaden von überall aus ins weltweite Netz und damit in die Arbeitsabläufe einklinken.

Der amerikanische Wissenschaftler Nicholas Negroponte hatte schon 1995 das damals visionäre und heute immer noch aktuelle Buch „Total Digital“ am Notebook in einer einsamen Hütte auf der griechischen Insel Patmos geschrieben, bevor er wieder an sein Forschungsinstitut in den USA zurückkehrte. So wollte ich auch arbeiten.

Die Realität sah anders aus: Gerade die Programmiersklaven der Start-up-Unternehmen mussten 14-Stunden-Schichten knüppeln und mit dem Schlafsack unter dem Schreibtisch schlafen, bevor ihre Firma erst an die Börse und dann pleiteging. Und wer versuchte, sich mit verheddertem Kabelsalat und den unfassbar langsamen Modems jener Zeit von unterwegs ins Internet einzuwählen, und dann zusah, wie sich quälend zäh einzelne Websites auf dem kleinen Bildschirm aufbauten, wünschte sich auf der Stelle an seinen Büroschreibtisch mit der schnellen Internetverbindung zurück. Handys waren damals teuer, konnten kaum etwas außer telefonieren und ihre Benutzer wurden zudem als Angeber abgestempelt.

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