Mit einer konsequent auf Handwerkskunst, Design und Nachhaltigkeit ausgerichteten Strategie erschufen Nicola und Oliver Stattmann das Designlabel „Stattmann Neue Moebel“   und machten damit aus dem Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Familienbetrieb binnen vier Jahren einen der interessantesten Hersteller handwerklich gefertigter Möbel.

nomad sprach mit den beiden Geschwistern in Ascheberg.

Wenn man in Deutschland an Orte für aufstrebende, junge Möbelfirmen denkt, kommt das Münsterland nicht unbedingt in den Sinn. Aber genau da ist das Label Stattmann Neue Moebel beheimatet. In Ascheberg, südlich von Münster. Hier ist das Land flach und weit, die Häuser aus rotem Klinker gemauert und es riecht nach Landwirtschaft. Langsam drehen Traktoren ihre Runden, pflügen akkurate Linien in den fruchtbaren Boden. Hier liegt die traditionsreiche Tischlerei mitten im Grünen und fernab von Industrie und Hipster-Cafés.

In der vierten Generation betreiben die Stattmanns ­ihr Unternehmen mit Mitarbeitern aus der Umgebung. Es hätte alles seinen Gang gehen können. Doch die beiden Geschwister, Holztechniker und Meister Oliver Stattmann und die Designerin Nicola Stattmann, haben ihren Traum von der eigenen Möbelfirma und der Verbindung von Design und Handwerk umgesetzt. Seit 2012 produzieren sie eine eigene Kollektion, die Tische, Stühle, Bänke, Regale und Accessoires umfasst. In nur vier Jahren haben sie ihre neue Marke zu einem bekannten Designlabel für nachhaltige Möbel entwickelt. Das liegt nicht nur an der Geradlinigkeit und Eleganz ihrer Entwürfe, sondern auch an der Klarheit des Konzepts.

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Die beiden verarbeiten ausschließlich heimische Hölzer aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, auch die wasserbasierten Beizen sind umweltfreundlich, und dann ist da noch die hochwertige, handwerkliche Verarbeitung, wie man sie heute kaum noch findet. Stabile Steckverbindungen machen Schrauben und Leim überflüssig, und durch die offenporige Oberflächenversiegelung bleibt die Qualität des Materials Holz spürbar. Die beiden entwerfen nicht selbst, sondern haben junge Gestalter wie Steffen Kehrle aus München, Sylvain Willenz und Marina Bautier aus Brüssel unter Vertrag. Gestalter, die das Material ebenso schätzen wie die Stattmanns. Gerade haben die beiden einen großen Auftrag aus Hamburg erhalten: Tische und Stühle für die neue Elbphilharmonie. Zeit für einen Besuch auf dem Lande.

Wie kommt man als alteingesessene Tischlerei im Münsterland auf die Idee, ein Möbelunternehmen zu gründen?

Nicola

Der Gedanke war schon lange da. Wir haben bereits früher oft darüber gesprochen, wie es wäre, wenn wir unsere eigene Möbelfirma hätten. Ich habe Oliver dann Möbelentwürfe gezeigt, die mich begeistern, und wir haben die Details diskutiert. Als Produktdesignerin interessiert mich die Schnittstelle zwischen Serie und Handwerk sehr. In der Tischlerei bauen wir seit Generationen Möbel. Das sind Einzelanfertigungen, die natürlich ihren Preis haben. Mit unseren Serienprodukten möchten wir einen anderen Weg gehen und handwerklich gefertigte, langlebige und vererbbare Möbel bauen, die trotzdem noch erschwinglich sind. Kein Luxus, sondern solide und funktionale Möbel.

Oliver

Neben Idealen spielten auch konkrete wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. Ich wollte ein zusätzliches Standbein, um Kapazitäten besser auszunutzen und Auftragslücken abzufangen. Als Handwerker muss man heute flexibel sein und neue Lösungen finden.

Nicola

Auch wenn ich in Frankfurt lebe, fühle ich mich mit meiner Heimat sehr verbunden. An unserem Familienbetrieb mit seiner Handwerkstradition und dem ganzen Drum und Dran hängt mein Herz besonders. Darum ist mir die Zukunft der Firma sehr wichtig.

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Welche Designaspekte interessieren euch besonders? Was ist eure Philosophie?

Nicola

Gutes Design bedeutet für uns, dass Produkte eine gewisse Selbstverständlichkeit besitzen, aber bei genauem Hinsehen durch Form und Funktion faszinieren. Klarheit in Kombination mit besonderen konstruktiven, innovativen Details   das ist uns wichtig. Darum sind unsere Möbel geradlinig, ehrlich, beinah archetypisch. Sie sollen den Menschen durchs Leben und durch verschiedene Räume begleiten. Die Tische eignen sich als Ess-, aber auch als Schreibtisch. Bänke, Stühle und Regale sind so entworfen, dass sie in Küche, Wohnzimmer, Flur, Büro oder auch im Bad genutzt werden können.

Oliver

Unsere Möbel sollen zu Lieblingsstücken werden. Möbel, die vererbt werden, so wie es für handwerklich gefertigte Dinge immer üblich war.

Und wie seid ihr gestartet? Habt ihr ein paar befreundete Designer angerufen?

Nicola

Wir haben uns zusammengesetzt und die Möbelwelt analysiert. Was passiert gerade? Was wollen wir? Was passt zu uns? Wie kann das Projekt gelingen? Dass wir Designer im Team benötigen, die bereits bekannt sind und sich im Möbeldesign sehr gut auskennen, war uns von Anfang an klar. Wir haben die Entwerfer ausfindig gemacht, die einen schönen Umgang mit Holz haben, die sich für Leichtbau interessieren und die neue Dinge ausprobieren wollen.

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